Medizinrad

Medizinrad

Magie im Coaching? Schwitzhütten und Trommeln, gemeinsames Singen und sich an den Händen halten? Esoterische Experimente also?

Nicht unbedingt. Eher geht es darum, mit einem ganzheitlichen Ansatz die Lebendigkeit und Kreativität im Einzelnen, in Teams und im gesamten Unternehmen zu wecken. Das Wissen der Völker, die ihren ursprünglichen Gemeinschaftssinn bewahrt haben und im Einklang mit der Natur leben, kann dabei helfen. Um die Welt zu verstehen, muss man sie nur in ihre Einzelteile zerlegen und diese isoliert betrachten – das war lange die Basis unseres westlichen Denkens. Und sie ist es noch immer: Obwohl die Naturwissenschaften mittlerweile davon ausgehen, dass alles korreliert und sich beeinflusst, hat sich die ganzheitliche Betrachtungsweise nur vereinzelt durchgesetzt.

Anderswo jedoch ist sie selbstverständlich. Einige Kulturen haben sich eine Weltsicht erhalten, die schon seit Jahrtausenden eine ganzheitliche ist, etwa die Schamanen Südamerikas. Sie wissen, dass alles Leben auf der Welt voneinander abhängt. Sie sehen die Welt als ein Lebewesen, das sich entwickelt und nach Erkenntnis strebt.

Nach diesem Verständnis ist auch jedes Unternehmen ein Organismus, der lebt, sich vernetzt, verändert und wachsen will. Folglich ist es auch nicht möglich, Change umzusetzen oder Teams zu entwickeln, indem man einzelnen Personen Wissen vermittelt oder ihnen Motivation und Führung beibringt. Ansatzpunkt muss immer die gesamte Organisation sein. Das ist für erfahrene Trainer keine überraschende Position, findet sie sich doch beispielsweise auch in systemischen Ansätzen sowie in open space und anderen Formaten wieder.

Hat der ganzheitliche Ansatz dagegen einen schamanischen oder spirituellen Touch, reagieren Menschen sofort mit Skepsis und mit Vorbehalten, die auch in einem Gespräch kaum ausgeräumt werden können. Zu groß ist die Angst vor der vermeintlichen Esoterik. Zu Unrecht, denn die Bräuche der Naturvölker liefern ganz handfeste Methoden, die sich äußerst nutzbringend in Training und Beratung einsetzen lassen. Wer einmal statt des Besprechungstisches einen Stuhlkreis im leeren Raum benutzt und das Rederecht durch einen Sprechstab geregelt hat – d.h. es spricht nur, wer den Stab in der Hand hat – der weiß, wie effektiv dies sein kann.

Daher lohnt es sich genauer hinzusehen. Gemeinsam ist allen Techniken, dass sie ihren Schwerpunkt auf die Arbeit mit dem Unbewussten legen. Ähnlich dem kollektiven Unbewussten bei C.G. Jung wird von einem gemeinsamen Bewusstsein ausgegangen, das beispielsweise auch die Mitarbeiter eines Unternehmens miteinander verbindet. Ein anderes Wort dafür ist Team-Spirit.

Durch entsprechende Übungen können Trainer ihre Teilnehmer auf dieser gemeinsamen Ebene ansprechen und so einen alternativen Zugang zu den Problemen und Ressourcen der Teilnehmer schaffen. Konkret helfen die Übungen, die Aufmerksamkeit von dem analytischen, logischen Teil unserer Persönlichkeit weg zu lenken. Stattdessen werden Intuition und Kreativität gefördert. Der Vorteil: Weil die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Unterbewusstseins, wo diese verortet werden, um ein Vielfaches schneller als die des Verstandes ist, lassen sich Menschen ganz anders berühren. Neue Erkenntnisse entwickeln sich ganz selbstverständlich.


Beispiel: Teamentwicklung mit Medizinrad

Voraussetzung ist allerdings, dass die magischen Elemente sinnvoll in einen Gesamtprozess eingebettet sind. Etwa in ein mehrstufiges Teamtraining: Hier kann beispielsweise das „Rad der Kraft“, das auch als Medizinrad bekannt ist, den rationalen und sozialen Entwicklungsprozess um eine spannende Facette ergänzen. Das Rad, das auch andere Trainer schon für ihre Arbeit adaptiert haben (z.B. der Organisationskompass) hilft als eine Art Strukturaufstellung mittels Archetypen den Teilnehmern dabei, ihren analytischen Verstand bewusst auszuschalten. Statt rational können sie die aktuelle Fragestellung mit der Gruppe auf einer unbewussten Ebene angehen.

Die Übung findet in der Regel in freier Natur statt. Dort legen die Teammitglieder aus bis zu 38 Steinen gemeinsam einen Kreis mit mehreren Speichen. Dabei diskutieren sie über die Bedeutung des jeweiligen Steins und seinen möglichen Bezug zum Thema des Teams. Das Rad steht für den ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Geburt und Wiedergeburt oder auch den Ablauf von Projekten.

Im Rad haben die vier Himmelsrichtungen verschiedene Bedeutungen: Sie stehen für die Kräfte, die in unterschiedlichen Lebensphasen dominieren. Die Steine tragen jeweils das Symbol einer Pflanze und eines Tieres, die naturgemäß für verschiedene Eigenschaften stehen, aus denen sich für das Thema der Teamentwicklung neue Ideen entwickeln können. Abstrakte Themen wie Erneuerung, Einsicht, Stärke, Vertrauen, Wachstum sollen so greifbar werden.