Circle Work

Feuerkreis

Der Kreis ist eines der effektivsten Meeting-Formate, die wir kennen. Wer zum ersten Mal im Kreis statt in Stuhlreihen oder um einen Besprechungstisch sitzt, ist oft irritiert und verunsichert. Man fühlt sich offen und ungeschützt, man kann sich kaum verstecken.

Doch dann beobachtet man eine kraftvolle Energie. Vor langer Zeit war es ganz normal, dass man gemeinsam im Kreis um das Feuer saß und Geschichten erzählte.
Wenn Menschen im Kreis zusammen kommen, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Jeder hat sowohl zu sich selbst als auch zu den anderen einen intensiveren Zugang.

Der Kreis ist in sich ganz und vollständig, er ist ein Archetyp. Jeder Kreis ist definiert durch ein Zentrum sowie die ihn rundum umgebende Linie, die überall den gleichen Abstand hat. Die Kreislinie trennt das Innere vom Äußeren, sie begrenzt einen Raum.

Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende. Der Tag, das Jahr, das Leben, alle haben einen Kreislauf, der immer wieder neu beginnt.

Bei Sitzordnungen ist der Kreis die einzige Form, bei der alle Teilnehmer gleichberechtigt zueinander sitzen. Es gibt keine Hierarchien und Rangordnungen. Alle schauen einander an, alle, die im Kreis sitzen, gehören dazu. Niemand ist ausgeschlossen oder sitzt in der zweiten Reihe. Es ist eine ureigene Eigenschaft des Kreises, dass er eint und vollständig macht. In der Regel steht kein Tisch in der Mitte, wie wir es in riesigen Besprechungsräumen gewohnt sind. Da sind nur einige Gegenstände, die etwas mit den Teilnehmern, dem Unternehmen und dem Thema zu tun haben. Es gibt keine Beamer oder Präsentationen, nur einen Protokollanten (falls erforderlich).

Wer im Kreis sitzt, ist zur Interaktion verpflichtet, sie entwickelt sich ganz von allein aus der Dynamik des Kreises. Kommunikation im Kreis ist nicht nur Sprechen, sondern ein ganzheitlicher Ausdruck des Körpers – und der Emotionen (denken Sie nur an die Spiegelneuronen). Mimik, Gestik, Stimmlage, Körperhaltung, alles wird zu einem komplexen Vorgang, den wir nur intuitiv überschauen. Bekanntermaßen ist der Verstand etwa 500.000 mal langsamer als die Intuition.Im Kreis entwickelt sich eine Haltung der Offenheit, des achtsamem Reden und des konzentrierten Zuhörens.

Alle Teilnehmer eines Kreises sind miteinander vernetzt, ein unsichtbares Beziehungsnetzwerk, das immer das Zentrum des Kreises quert, verbindet jeden mit jedem. Dieses durch den Kreis eingefasste Feld nennt man auch das „Kohärenzfeld“, das sein Zentrum in der Kreismitte hat. Dort ist die Kraft des Feldes am stärksten. Die Mitte ist der Punkt, der scheinbar unvereinbare Meinungen und Standpunkte verbindet und das für das Gemeinsame steht. Das gesamte Potenzial der Teilnehmer kann wirken.

In der Regel wird – zumindest in der Anfangs- und Endrunde – mit einem Redestab o.ä. gearbeitet. Nur, wer den Stab in der Hand hält, spricht. Alle anderen hören zu. Ohne Redestab wird in Phasen gesprochen, wo es um neue Ideen oder Gedanken geht.

Das Innere des Kreises kann auch als Bühne dienen, auf der jeder etwas zum Thema beitragen kann. Der Kreis sorgt durch seine Energie dafür, dass keine endlosen Diskussionen entstehen, sondern nur das gesagt wird, was wichtig ist. Zudem entwickelt sich eine viel aufmerksamere Art des Zuhörens.

Die Elemente eines Kreises

  • Intention
  • Empfang
  • Mitte und Begrüßung / Anfangsrunde
  • Vereinbarungen
  • Drei Prinzipien und drei Praktiken
  • Ein Hüter
  • Abschlussrunde und Ende

Intention

Die Intention und bestimmt, wer kommt.

Empfang

Der Gastgeber beginnt mit einer Geste, die die Aufmerksamkeit der Teilnehmer für den Kreis weckt.

Die Mitte

Die Mitte eines Kreises ist das Zentrum, alle Energien bündeln sich hier. Sie wird entsprechend gestaltet durch Blumen, Kerzen oder themenbezogene Gegenstände.

Anfangsrunde

Beim „Check-in“ stellt sich jeder kurz vor und beantwortet eine vom Gastgeber vorgegebene Frage, die einen eher persönlichen Beitrag fordert. Sowohl Anfangs- als auch Endrunde sind wichtige Elemente, die die Teilnehmer verbinden.

Vereinbarungen treffen

Gemeinsam werden einige Vereinbarungen als Grundregeln der Zusammenarbeit getroffen. Die Vereinbarungen dienen einem offenen und ehrlichen Austausch, der Toleranz, der Vertraulichkeit, der Empathie und der gegenseitigen Verantwortung.

Drei Prinzipien

  • Ein Circle ist eine Gruppe, in der die Verantwortung für die Gruppe bei allen Teilnehmenden liegt.
  • Die Leitung der Gruppe wird abwechselnd von allen Teilnehmenden / Mitgliedern wahrgenommen.
  • Die Verantwortung für die Qualität des Circle- Treffens wird von allen geteilt.

Letztendlich verlassen wir uns auf Inspiration (oder „Geist“), nicht auf unsere persönlichen Vorhaben.

Drei Praktiken

  • Uns unserer Absicht beim Sprechen bewusst sein, indem wir darauf achten, was im Moment gerade für das Gespräch relevant ist.
  • Aufmerksames Zuhören: Respektvoll gegenüber dem Lernprozess aller Gruppenmitglieder.
  • Zum Wohlergehen des Kreises beitragen: Wir bleiben uns der Wirkung unserer Beiträge bewusst.

Der Hüter

Ein Hüter wird bestimmt, der die Aufgabe hat, die Gruppenenergie zu beobachten und bei Bedarf eine Pause durch Läuten einer Glocke o.ä. einzuleiten. Wenn dies ertönt, bedeutet das für alle in der Gruppe, dass innegehalten wird, dass alle durchatmen und einen Augenblick in Stille verbringen. Die Verlangsamung des Dialoges ist der Aspekt, der neben anderen die Wirksamkeit der Methode begründet. Der Hüter achtet darauf, dass die Gruppe ihrem Ziel treu bleibt.

Abschiedsrunde

Am Ende des Treffens spricht jeder Teilnehmer darüber, was er mitnehmen konnte und was er gelernt hat. Ein Teilnehmer oder der Gastgeber beendet die Runde mit ein paar inspirierenden Worten.

Ich hoffe, dass Sie einmal die Gelegenheit haben, einen Kreis, diesen Hort der Gemeinsamkeit, diese Insel der Lebendigkeit, in der sich die Lebensgeister wieder zeigen, zu erleben.